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Abstract
Over their more than 1 billion years of evolutionary history, streptophytes have repeatedly transitioned between unicellular, simple multicellular and complex multicellular forms. Rather than a linear trajectory toward increasing complexity culminating in land plants, streptophyte evolution is now understood as highly dynamic. Phylogenomic analyses reveal an early origin of multicellularity followed by lineage-specific losses, reductions and secondary gains of complexity. Filamentous and parenchymatous body plans in Charophyceae and Coleochaetophyceae are derived rather than direct precursors of land plant multicellularity, while zygnematophyte algae - the sister group to embryophytes - exhibit dramatic reductions to unicellular or filamentous forms despite retaining genetic toolkits linked to multicellular traits. We argue that streptophyte multicellular evolution is best explained by regulatory changes at the cellular level rather than gene gain or loss alone. Variation in cell division patterns, polarity establishment, cell wall sensing and intercellular connectivity plays a central role in shaping body plan diversity. We further propose that rewiring protein-protein interaction networks, mediated by intrinsically disordered regions and short linear motifs, represents a key mechanism driving repeated evolutionary innovation. Integrating comparative genomics, ancestral state reconstruction and functional cell biology will clarify how conserved molecular toolkits generated streptophyte diversity and ultimately facilitated the emergence of land plants. Im Verlauf ihrer mehr als eine Milliarde Jahre umfassenden Evolutionsgeschichte haben Streptophyten wiederholt Übergänge zwischen einzelligen, einfach vielzelligen und komplex vielzelligen Organisationsformen vollzogen. Anstatt einer linearen Entwicklung hin zu zunehmender Komplexität, die schließlich in den Landpflanzen gipfelt, wird die Evolution der Streptophyten heute als hochdynamischer Prozess verstanden. Phylogenomische Analysen weisen auf einen frühen Ursprung der Vielzelligkeit hin, auf den stammlinienabhängige Verluste, Reduktionen und sekundäre Zugewinne an Komplexität folgten. Die filamentösen und parenchymatischen Baupläne der Charophyceae und Coleochaetophyceae sind demnach abgeleitete Formen und keine direkten Vorläufer der Vielzelligkeit der Landpflanzen. Demgegenüber zeigen die Zygnematophyceae – die Schwestergruppe der Embryophyten – eine ausgeprägte Reduktion zu einzelligen oder filamentösen Formen, obwohl sie weiterhin genetische Ausstattung besitzen, die mit vielzelligen Merkmalen in Zusammenhang steht. Wir vertreten die Auffassung, dass die Evolution der Vielzelligkeit bei den Streptophyten am besten durch Veränderungen der zellulären Regulation erklärt werden kann und nicht allein durch den Gewinn oder Verlust von Genen. Unterschiede in den Mustern der Zellteilung, der Etablierung von Zellpolarität, der Wahrnehmung der Zellwand sowie der interzellulären Konnektivität spielen eine zentrale Rolle bei der Ausbildung der Vielfalt von Körperbauplänen. Darüber hinaus schlagen wir vor, dass die Umgestaltung von Protein–Protein‐Interaktionsnetzwerken, vermittelt durch intrinsisch ungeordnete Regionen und kurze lineare Motive, einen entscheidenden Mechanismus für wiederholte evolutionäre Innovationen darstellt. Die Verknüpfung von vergleichender Genomik, Rekonstruktionen von anzestralen Zuständen und funktioneller Zellbiologie wird dazu beitragen zu klären, wie konservierte molekulare Werkzeugsätze die Diversität der Streptophyten hervorbrachten und letztlich die Entstehung der Landpflanzen ermöglichten.
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